Suchen | Kontakt | English

Cham Soutine - Highlight

L'enfant au jouet, um 1919

Nature morte au violon, pain et poisson, um 1922

L'enfant de choeur, um 1927

Russische beziehungsweise aus Russland stammende Knstler, die in Mittel- und Westeuropa wesentlich zur Kunstgeschichte der Moderne beigetragen haben, bilden einen Schwerpunkt in der Sammlung Im Obersteg. Neben Werken von Marc Chagall, Robert Genin, Alexej von Jawlensky, Wassily Kandinsky, Alexander Rodtschenko und Marianne von Werefkin finden sich herausragende Arbeiten von Cham Soutine, gebrtiger Russe, der von 1913 bis zu seinem Tod, 1943, mehrheitlich in Paris lebte und wirkte. Soutine zhlte neben Chagall zu den prominentesten Vertretern der Ecole de Paris, Kunstschaffende, die in der ersten Dekade des 20. Jahrhunderts von ganz Europa nach Paris emigrierten und dort den Kern einer international ausstrahlenden Avantgarde bildeten. Soutines ausdrucksstarke Malerei wird dem franzsischen Expressionismus zugerechnet. Der Knstler ist Zeit seines Lebens ein Aussenseiter geblieben. Zuerst von der beissenden Armut des Schtetls gezeichnet, nach seinem knstlerischen Durchbruch immer noch von einer lhmenden Isolation und einem grundlegenden Misstrauen gegenber allen Menschen geplagt, ist Soutines Werk unter menschlichen Extrembedingungen entstanden. Sein Schaffen thematisiert auf beklemmende Weise die existenzielle Einsamkeit und Isoliertheit des sozial minderbemittelten Menschen in unserer Gesellschaft. Karl Im Obersteg, der sich bereits whrend des Ersten Weltkriegs fr deutsche Kriegsopfer eingesetzt hatte, konzentrierte sich auch spter auf Knstler, die als gesellschaftliche und religise Aussenseiter, wie etwa Soutine, oder als Exilknstler gelten. Die Werkgruppe Soutines der Sammlung Im Obersteg, bestehend aus sieben Gemlden, zeigt als thematischen Schwerpunkt das Menschenbild. Dazu gesellen sich ein Stillleben und das Bild eines toten Fasans. Die freie und radikale Malweise verbunden mit dem tief menschlichen Ausdruck seiner Modelle muss den Sammler bei Soutine besonders berhrt haben. Im Oberstegs Faszination fr die Farbe und ihren sichtbaren Auftrag auf der Leinwand, fr das Spiel der Kontraste fhrte soweit, dass er in Ausstellungen einen postkartengrossen Passepartout bei sich trug, um Ausschnitte der Malerei genauer betrachten zu knnen.

Aufsatz Andreas Meier, PDF, 335 KB

nach oben   Druckversion